Schöner Planet

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

Albert Schweitzer

In den 1970er Jahren brachen viele junge Menschen aus den westlichen Ländern auf, um die Welt auf eigene Faust zu entdecken. Sie wollten weg von den Reiseanbietern und Touristengruppen, welche einem den Weg vorgaben. Vor allem aber wollten sie ausbrechen aus einengenden Strukturen und einem bereits zurechtgelegten Lebensentwurf. Mit nichts anderem als einem gepackten Rucksack begaben sie sich in ein Abenteuer und inspirierten dadurch etliche andere zu ebensolchen Reisen. Es war der Beginn einer neuen Bewegung von „Unterwegs-Sein“.

In dieser Zeit entstand ein Buch, welches noch heute zur beliebtesten Reiseliteratur zählt. Das australische Ehepaar Wheeler brachte ein Bestseller heraus, welcher beschrieb, wie man sich mit wenig Geld durch Südostasien schlägt. Das weisse Logo auf blauem Grund mit den Worten »Lonely Planet« wurde zum Inbegriff für den Individualtourismus. Laut einer Anekdote war der Name der Reisebibel eigentlich ein Verhörer. Er stammt aus einer Zeile des Liedes «Space Captain» von Joe Cocker. Während dort gesungen wird: „once while travelling across the sky this lovely planet caught my eye“ verstand Tony Wheeler «this lonely planet caught my eye».

Auch heute fassen viele die Welt als einen einsamen Planeten auf. In dem Versuch, uns an uns selbst zu orientieren, verlieren wir zunehmend den Bezug zu unseren Mitmenschen. Vieles treibt uns auseinander und wo wir uns nicht mehr verstehen und zuhören, kommt es zu neuen Missverständnissen. Da die Erde durchaus auch ein schöner Planet ist, möchte ich beim Verbindenden und nicht beim Trennenden beginnen.

Als vor einem halben Jahrhundert viele Menschen in den westlichen Ländern aufbrachen, ihren eigenen Lebenssinn zu finden, wollten sie weg von den alten Geschichtenerzählern, welche ihnen erklärten wie die Welt funktioniert. Die Institutionen, welche bis dahin den Lebensweg vorschrieben, wurden kritisch hinterfragt. Man hatte genug von den Lehrern, Priestern und anderen Autoritäten, welche einem das Lebensziel vorgaben. Dies wollte man selbst definieren und entdecken. Die jungen Menschen wollten spüren, was es heisst, auf diesem schönen Planeten unterwegs zu sein. Dem Bedürfnis zu leben wollten sie Raum und ihrem Dasein wollten sie einen Sinn geben. Der Begriff »Sinn« bedeutet ursprünglich eigentlich auch nichts anderes als, streben, trachten oder eben zu reisen. Sie wollten eine neue Richtung einschlagen, wie mehr Menschlichkeit im Leben möglich wäre, und damit diesen Planeten ein Stück schöner machen.

Dieser Wunsch existiert irgendwo in uns allen. Jeder möchte seinem Leben eine Bedeutung und eine Richtung geben. Jeder Mensch hat diese einzigartige Reise, die sich Leben nennt, vor sich. Sie geht, wie von selbst los, wenn wir auf die Welt kommen. Von diesem Augenblick an dürfen wir immer wieder neue Sachen entdecken, interessante Dinge erkunden und aus unseren Erfahrungen lernen. Natürlich beinhaltet dieses Abenteuer unseres Lebens auch viele Herausforderungen, gefährliche Passagen und so manche Stürme. Dies ist das Spannende und Herausfordernde an dieser Expedition. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Von Zeiten des Glücks, über Schmerz und Trauer gehört so mancherlei dazu. Niemand fragt uns, ob wir die Reise auch wirklich antreten möchten. Wenn wir uns selbst diese Frage stellen, sind wir meist schon weit weg von zu Hause.

Aber wir sind nicht einsam auf diesem Planeten unterwegs. Wenn wir aufbrechen, um unserem Leben einen Sinn und eine Bestimmung zu geben, stossen wir auf andere Menschen, welche ebenfalls den Wunsch nach einem glückenden Leben in sich tragen. Wir treffen auf Personen, welche ähnliche Ängste, Bedürfnisse und Sehnsüchte wie wir kennen. Auch wenn jeder weite Strecken für sich alleine auf dieser Reise unterwegs ist. Wir alle sind Menschen, die leben und die leben wollen. Zwar stehen wir irgendwann dem Tod gegenüber, doch möchten wir eigentlich davor eine möglichst zufriedene und lebenswerte Existenz führen und unsere zum Teil begrenzten Möglichkeiten ausschöpfen. Wir alle haben dieses Bedürfnis nach Leben in uns. Und wenn wir einander nur gut zuhören würden, würden wir verstehen, dass wir alle auch die Sehnsucht nach einer schöneren Welt in uns tragen.

Dieser Blog ist kein »lonely planet«. Vielmehr lädt er ein, eine Welt zu entdecken, in der man miteinander unterwegs ist, einander zuhört und Begegnungen wagt. Er soll zeigen, wo losgelöst von vorbestimmten Wegen, der eigenen Existenz eine Richtung gegeben werden kann und dadurch ein menschlicheres Leben und eine schönere Welt möglich wird.

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